Gesellschaft für Kulturpsychologie e.V.

Gemeinnütziger Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie und kulturvergleichenden Psychologie in Forschung und Lehre.

Aktuelle Informationen

Offener Brief VWGÖ

Der Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ) – in dem auch die Gesellschaft für Kulturpsychologie organisiert ist – hat sich in einem offenen Brief zur Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) an den Herrn Bundespräsidenten und die für Forschung & Entwicklung zuständigen Mitglieder der Österreichischen Bundesregierung gewandt, da die Forschungsförderung seit Jahren stagniert; ja sogar eine Unterfinanzierung des FWF zu enormen Antragsablehnungen und Arbeitszeitvergeudung führen. Den offenen Brief finden Sie hier.

 

Anmeldung zur Winter School für Kulturpsychologen geöffnet

Am 11. + 12. 10. 2018 richtet die SFU Berlin und das Centre of Cultural Psychology Aalborg (DK) eine Winter School für wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der Kulturpsychologie zum Thema „The Symbolic in Cultural Psychology“ aus. Führende Vertreter des (welt-) bekanntesten Forschungsinstitutes für Kulturpsychologie kommen nach Berlin und diskutieren, inwieweit Erlebenszusammenhänge eher über „Bilder“ als über Sprache organisiert sind. Neben Vorträgen und Diskussionsrunden sind auch praktische Erfahrungen vorgesehen, z.B. Kunstcoaching in der Gemäldegalerie Berlin. Die Tagung wird in englischer Sprache durchgeführt – angesprochen sind Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus allen Bereichen der Kulturpsychologie. Die Teilnahmekosten incl. Verpflegung wurden inzwischen auf 150 € reduziert. Weitere Informationen und Anmeldung bietet die Webseite

https://www.sfu-berlin.de/de/event/psy-international-winter-school-the-symbolic-in-cultural-psychology/

 

Prof. Dr. Jürgen Straub erhält den Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz 2017

Der Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz wird im Jahr 2017 bereits zum siebten Mal an der Universität Vechta vergeben: Die Entscheidung fiel auf den Psychologen Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum). Der vom Vechtaer Reiseunternehmer Hans Höffmann gestiftete Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und würdigt herausragende und wegweisende Arbeiten aus Themenfeldern der interkulturellen Kompetenz. Er wird jährlich an Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit ausgeschrieben.

In der Begründung der Jury heißt es: „Der Preisträger hat eine Vielzahl von Themengebieten maßgeblich beeinflusst, sein Lebenswerk sticht durch innovative Theoriebeiträge hervor, er sucht die Verbindung mit wissenschaftsgeschichtlichen Traditionen, hat ein fächerübergreifendes Verständnis von Forschung stark geprägt bis hin zu aktuellen Fragestellungen wie der Verbindung von Religion und säkularen Lebensformen und richtungsweisende Untersuchungen vorgelegt.“

Der Höffmann-Wissenschaftspreis wird voraussichtlich im Februar 2018 im Rahmen eines öffentlichen Festaktes vergeben. Die Laudatio wird Prof. Dr. Dr. h.c. Jörn Rüsen halten. Er ist emeritierter Professor für Allgemeine Geschichte und Geschichtskultur an der Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Kulturreflexion.

Vollständige Pressemitteilung

Professor Dr. Lutz Eckensberger (ehemals DIPF) und Dr. Sarah Demmrich erhalten den
Ernst-E.-Boesch-Preis für Kulturpsychologie 2017

Die Gesellschaft für Kulturpsychologie vergab zum zweiten Mal den Ernst-E.-Boesch-Preis für Verdienste um die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie, der an den 2014 mit 97 Jahren verstorbenen Kulturpsychologen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ernst E. Boesch erinnert. Der Preis wurde noch zu Lebzeiten gemeinsam mit Ernst Boesch ins Leben gerufen. Er ehrt Verdienste um die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie durch Erforschung der menschlichen Erlebens-, Erkenntnis- und Handlungsformen in ihrer Kultur- und Geschichtsgebundenheit. Der Preis würdigt (1) das bisherige Gesamtschaffen einer im genannten Feld herausragenden Persönlichkeit sowie (2) eine herausragende Einzelarbeit (Nachwuchspreis).

Mit Lutz Eckensberger wird ein international anerkannter Wissenschaftler geehrt, der längere Zeit mit Ernst E. Boesch zusammengearbeitet und wesentlich zur Bekanntheit des Saarbrücker Ansatzes und allgemein zur Profilierung der Kulturpsychologie beigetragen hat. Neben zahlreichen Arbeiten zur Methodologie und Methodik des Kulturvergleichs, zur Handlungstheorie und Kulturpsychologie gelten auch seine Analysen zur moralischen Urteilsbildung bis heute als herausragend.

Seine wissenschaftsgeschichtlich und anthropologisch fundierten Beiträge zur Entwicklung einer von der nomologischen Psychologie abgesetzten Kulturpsychologie sind dem Denken von Ernst E. Boesch in besonderer Weise verbunden, aber auch um systematische Präzisierungen einer „culture inclusive action theory“ bemüht. Lutz Eckensberger hat als innovativer und kreativer Psychologe in zahlreichen Forschungsprojekten und Publikationen sowie in seinem institutionellen Engagement in Universitäten und Forschungseinrichtungen zur Sichtbarkeit der Kulturpsychologie international beigetragen. Dies verdeutlichte er im lebendigen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in aller Welt.

Mit der Verleihung des Ernst-E.-Boesch-Preises 2017 wird sein Lebenswerk gewürdigt, das auch zukünftig auf zentrale Bereiche psychologischer, sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung ausstrahlen wird. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Den Ernst-E.-Boesch-Nachwuchspreis erhielt Frau Dr. Sarah Demmrich für ihre herausragende Dissertation Persönlichkeit und Rituale im Kontext religiöser Überzeugungen Jugendlicher. In dieser Arbeit ging  sie der  Frage nach, wie  stark die Anwendung von Ritualen in Abhängigkeit von der Persönlichkeit der Befragten einen Einfluss auf deren religiöse Überzeugungssysteme nehmen. Schule gehört neben der Familie zu einem wichtigen pädagogischen Raum, in dem Kinder moralische und religiöse Vorstellungen erwerben, die ihnen helfen, Probleme  angemessen ethisch beurteilen und mit ihnen umgehen zu können. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Die Verleihung fand anlässlich der 13. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie vom 14.-16. September 2017 in Hannover statt.

Die Gesellschaft für Kulturpsychologie wurde 1986 in Salzburg gegründet, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Sie ist eine Vereinigung von in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie in praktischen Anwendungsgebieten tätigen Psychologinnen und Psychologen. Sie ist international und interdisziplinär ausgerichtet. Die Gesellschaft erstrebt die Förderung der theoretischen, empirischen und angewandten Kulturpsychologie Psychologie sowie die Verbreitung ihrer Erkenntnisse.

Für mehr Informationen http://www.kulturpsychologie.de
Ansprechpartner: PD Dr. Lars Allolio-Näcke, 1. Vorsitzender der GKP, vorstand@kulturpsychologie.de

Emigration, Migration und Kultur

Die 13. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie findet als gemeinsame Tagung mit der DGPs-Fachgruppe Geschichte der Psychologie vom 14. bis 16. September 2017 in Hannover unter dem Tagungstitel »Emigration, Migration und Kultur« statt. Den Call for Paper sowie weitere Details entnehmen Sie bitte der Tagungswebseite.

Wir trauern um Gustav Jahoda

Unser langjähriges Mitglied Gustav Jahoda ist am 12.12.2016 im 97. Lebensjahr in Glasgow verstorben.

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Gustav Jahoda war seit 1963 an der University of Strathclyde in Schottland tätig und bis in seine letzten Lebensjahre auch als Autor und Vortragender aktiv. Zuletzt konnten wir ihn als Referenten bei der Tagung unserer Gesellschaft 2005 in Salzburg/St. Virgil begrüßen.

Wir trauern um Wilhelm Salber

Am 2. Dezember 2016 verstarb unser Gründungsmitglied Wilhelm Salber nach kurzer Krankheit im Alter von 88 Jahren in Köln.
Wilhelm Salber, geboren am 9. März 1928, war dreißig Jahre Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität zu Köln. Die wissenschaftlichen Traditionslinien von Goethe und Freud fortführend, entwickelte er aus Untersuchungen zu Alltag, Kunst und Kultur ein neues Fundament der Wissenschaften: Psychologische Morphologie.
Zu den wichtigsten und einflussreichsten Werken Wilhelm Salbers gehören: Morphologie des seelischen Geschehens (1965), Wirkungseinheiten (1969), Kunst-Psychologie-Behandlung (1977) und Seelenrevolution (1993). Wilhelm Salbers Psychologische Morphologie führte zu bedeutenden Paradigmenwechseln in Wirtschafts- und Produktpsychologie, in Wirkungsforschung, Film- und Kunstanalyse sowie Psychotherapie.
Salber lehrte Psychologie als einen Weg, den Übergängen zwischen unterschiedlichen Lebensgestalten zu folgen. Auf seinem eigenständigen Weg überschritt Wilhelm Salber die Grenzen der akademischen Psychologie. Das amerikanische Standardwerk „German Essay on Psychology“ aus dem Jahr 2001 zählt ihn – zusammen mit Ludwig Binswanger, Karl Jaspers, Alexander Mitscherlich und Erwin Straus – zu den Ikonoklasten (Bilderstürmern) der deutschen Psychologie.

Ernst-Eduard-Boesch-Preis an Prof. Dr. Jürgen Straub verliehen

Die Gesellschaft für Kulturpsychologie hat im Rahmen ihrer Fachtagung 2015 in Salzburg erstmals den mit 2.500 Euro dotierten Ernst-Eduard-Boesch-Preis für Verdienste um die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie vergeben. Preisträger ist Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum), der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.
Mit Jürgen Straub wird ein Wissenschaftler geehrt, der eine dezidiert sozial- und kulturwissenschaftlich ausgerichtete Psychologie vertritt und in wegweisenden theoretischen, methodologisch-methodischen und empirischen Beiträgen innovativ fortentwickelt. In der auch interdisziplinär angelegten Bearbeitung solch vielschichtiger Themenfelder wie autobiographisches Gedächtnis, narrative Psychologie, Geschichtsbewusstsein, interkulturelle Kompetenz und Kommunikation, personale und kollektive Identität sowie Gewalt dokumentiert er eindrucksvoll das überragende wissenschaftliche Potential einer handlungstheoretisch orientierten, interpretativ verfahrenden Kulturpsychologie.
Die Laudation erfolgte durch Prof. Dr. Jens Brockmeier (American University of Paris).

Kulturelle Dynamik und Entwicklung der Psychologie

Die 12. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie fand als gemeinsame Tagung mit der DGPs-Fachgruppe Geschichte der Psychologie vom 10. bis 12. September 2015 in Salzburg unter dem Tagungstitel »Kulturelle Dynamik und Entwicklung der Psychologie« statt. An der Tagung nahmen mehr als 50 Interessentinnen teil. Neben historischen und kulturpsychologischen Fachvorträgen, die begrüßenswerter Weise auch von jüngeren NachwuchswissenschaftlerInnen gehalten wurden, wurde die Tagung durch die öffentliche Vorführung des Film »Auf den Spuren von Martha Muchow« von Prof. Dr. Günter Mey sowie kulinarische Ausflüge in die Salzburger Lokalitäten gerahmt. Exemplarisch, wie kulturpsychologische und psychologisch-historische Forschung zusammengehen können, sei das Panel »Musik und Psychiatrie im Biedermeyer« unter der Leitung von Frau Dr. Dr. Andrea Korenjak erwähnt. Neben der Mitgliederversammlung war die weitere Diskussion um das in dieser Zeitschrift abgedruckte »Memorandum zur Lage und zur Zukunft des Faches Geschichte der Psychologie« ein für die Fachgruppe wichtiger Höhepunkt der Tagung. Die Homepage zur Tagung mit Programm findet sich auf der Tagungshomepage.

Wir trauern um Ernst E. Boesch 

Am 12. Juli 2014 ist unser Gründungsmitglied Ernst Eduard Boesch im 98. Lebensjahr unerwartet verstorben ist. Die Gesellschaft für Kulturpsychologie verliert mit ihm nicht nur eine ihrer zentralen wissenschaftlichen Persönlichkeiten, sondern auch einen großzügigen Förderer. In seinen letzten Lebensmonaten hat er noch mit uns gemeinsam die Richtlinien für den von ihm gestifteten und nach ihm benannten Wissenschaftspreis für Kulturpsychologie diskutiert. Die internationale Kulturpsychologie verliert mit ihm einen Bannerträger, der seit vielen Jahrzehnten beharrlich am Aufbau dieser Forschungsdomain mitgewirkt hat.
Wir sind dankbar, dass es uns vergönnt war, seinen kritischen und wachen Geist bis in sein hohes Lebensalter als Begleiter bei unseren wissenschaftlichen Vorhaben zur Seite zu wissen.

 11. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie fand vom 06. bis 08. Juni 2013 unter dem Titel „Bilder – Zeigen – Selbst. Ikonizität und Visualität als Herausforderungen für die Kulturpsychologie“ an der Universität Wien statt. Informationen zu dieser Tagung und eine Dokumentation der dort gehaltenen Vorträge finden Sie hier.

Aktuelle Publikationen von Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft

Slunecko, Thomas; Wieser, Martin & Przyborski, Aglaja (Hrsg.). (2017). Kulturpsychologie in Wien. Wien: facultas. 

ISBN: 978-3-7089-1545-6
Preis: 24,90 Euro

Der Band dokumentiert und verdichtet zentrale Impulse, die in den letzten zehn Jahren von Wien – konkret: vom Institut für Kulturpsychologie und qualitative Sozialforschung und seinem Netzwerk – für eine paradigmatische Erneuerung der Psychologie ausgegangen sind. Der Kern dieser Erneuerung besteht darin, Kultur nicht als eine von mehreren Variablen zu begreifen, die auf dem Menschen „wirken“, sondern als essentielle Matrix für das Verständnis des Psychischen. Die einzelnen Beiträge zeigen, wie dies theoretisch und methodologisch gedacht und praktisch in der Forschung umgesetzt werden kann. Dabei eröffnen sich gleichzeitig Wege zu einer praxeologischen Psychologie, in der sich akademische Wissenschaft mit dem lebendigen Alltag zu verbinden vermag.
Mit Beiträgen von Gerhard Benetka, Bernd Bösel, Stefan Hampl, Ulrich Krainz, Philomena Pötscher, Aglaja Przyborski, Nora Ruck, Anna Schor-Tschudnowskaja, Maria Schreiber, Thomas Slunecko und Martin Wieser.

Werbik, Hans & Benetka, Gerhard (2017). Kritik der Neuropsychologie. Eine Streitschrift. Gießen: Psychosozial.

In ihrer Streitschrift machen Hans Werbik und Gerhard Benetka deutlich, dass das Erklärungspotenzial der Neurowissenschaften in der Psychologie weitgehend überschätzt wird. Ihre Kritik tragen die Autoren auf einer philosophischen, wissenschaftstheoretischen, psychologischen und gesellschaftspolitischen Ebene vor. PsychologInnen werden durch die Lektüre darin bestärkt, in der psychologischen und psychoanalytischen Forschung auch andere Wege als die von den Neuro-Disziplinen favorisierten zu beschreiten und dadurch mehr Pluralität in der Psychologie zu ermöglichen.
Werbik und Benetka berichten über theoretische Voraussetzungen und empirische Befunde neurowissenschaftlicher Untersuchungen. Sie erinnern an einige der Versprechen, mit denen NeurowissenschaftlerInnen vor einiger Zeit an die Öffentlichkeit traten – vieles davon hat sich nicht bewahrheitet. Die Autoren zeigen, dass psychische, soziale und kulturelle Phänomene in den Denkmustern der Naturwissenschaften nicht adäquat zu erfassen sind. Sie bieten eine Einführung in die Kulturpsychologie und eröffnen Perspektiven, wie eine der menschlichen Lebenspraxis entsprechende psychologische Forschung möglich ist.

Przyborski, Aglaja & Haller Günther (Hrsg.).  (2014). Das politische Bild. Situation Room: Ein Foto – vier Analysen. Verlag Barbara Budrich: Opladen, Berlin, Toronto. 2014. 

ISBN: 978-3-8474-0160-5
Preis: € 14,90

Wie funktioniert politische Kommunikation durch Bilder? Am Beispiel des Bildes aus dem White House Situation Room, Sinnbild für die Tötung des Terroristen Osama Bin Laden, gibt das Buch anhand von Hintergrundanalysen und vier sozialwissenschaftlichen Bildanalysen Einblick in ein boomendes Feld und in die politische Ikonografie der Gegenwart.
Das Bild aus dem Situation Room steht für die Tötung des Terroristen Bin Laden und hat als vielfach gewähltes (mediales) Titelbild und in einer breiten öffentlichen Diskussion auch Eingang in die politische Ikonografie gefunden. Der Band beinhaltet vier Analysen dieses Bildes. Die Fakten rund um die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Fotografie stehen im Austausch mit drei empirischen Analysen: einer dokumentarischen Interpretation zu Repräsentation von Macht, einer seriellen Fotoanalyse und einer psychologischen Analyse, die die berühmte Geste von ‚Hillarys Hand’ in den Mittelpunkt stellt. Die Analysen geben wissenschaftlich fundierte Einblicke nicht nur in die Besonderheit eines Bildes, das eine bemerkenswert große Anziehung ausübt, sondern damit auch in die aktuelle politische Kommunikation durch Bilder. Drei elaborierte Verfahren der Bildinterpretation können direkt anhand eines Falles miteinander verglichen werden. Der Band richtet sich vor allem an jene, die sich für Hintergründe der politischen Ikonografie der Gegenwart interessieren sowie an Human- und SozialwissenschaftlerInnen, die avancierte Methoden der Bildinterpretation vergleichen wollen.

Przyborski, Aglaja & Monika Wohlraab-Sahr (2014). Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. (4. ergänzte Aufl.: visuelle Daten/Bildinterpretation) Oldenbourg: München.

Das Buch gibt eine Einführung in die methodologischen Grundlagen und in die Anwendung rekonstruktiver Forschung. Die Besonderheit des Bandes liegt u.a. in der Darstellung der gemeinsamen Entwicklungslinien unterschiedlicher Verfahren und Schulen. Damit werden Synergien und Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Zugänge, aber auch theoretisch bedingte Unvereinbarkeiten erkennbar. Gemeinsame Probleme quantitativer und qualitativer Zugänge bleiben dabei nicht ausgespart. Kernstück ist eine umfassende Diskussion methodisch fundierter Praxis qualitativer Forschung. Das Buch begleitet Forschende von der ersten Konzeption eines Forschungsvorhabens über die Feldforschung und Erhebung, Entscheidungen beim Sampling, die verschiedenen Schritte der Interpretation und Auswertung des empirischen Materials, die Abstraktion und Verallgemeinerung der Interpretationserträge bis hin zur Darstellung der Ergebnisse. Die einzelnen Entscheidungen, die im Zuge der Forschung getroffen werden müssen, typische Problemstellungen und Herausforderungen der Interpretationspraxis sowie mögliche Lösungen werden sowohl methodisch-theoretisch als auch anhand von konkreten Fällen und Forschungsbeispielen anschaulich und nachvollziehbar behandelt. Für jedes der vier im Detail ausgeführten Verfahren, die Methode der Grounded Theory, die Narrationsanalyse, die objektive Hermeneutik und die dokumentarische Methode geben die Autorinnen ein ausführliches Interpretationsbeispiel aus der eigenen Forschungspraxis. Die vierte Auflage wurde um zwei umfassende Kapitel zur Erhebung und Auswertung von visuellem Datenmaterial erweitert. Bei der Auswertung liegt der Schwerpunkt auf der rekonstruktiven Bildinterpretation. Sie wird allgemein dargestellt und im Einzelnen anhand der seriellen Fotoanalyse, der Segmentanalyse, der objektiv-hermeneutischen und der dokumentarischen Bildinterpretation behandelt.

Boesch, Ernst Eduard (2013). Aran und Beat. Nachdenkliche Geschichten zwischen West und Ost. Salzburg: edition tandem.

ISBN: 978-3902932099
Preis: € 18,50

Die Geschichten in diesem Bändchen erzählen von Aran, einem jungen Mann in einem fernöstlichen Land, das am ehesten einem imaginativ verwandelten Thailand gleicht. Auch die zweite Hauptperson, der Missionar Beat, befindet sich in diesem Land. Es ist nicht das Thailand, das der Tourist erfährt, sondern ein Land mit einer traditionellen, magisch‐animistischen Religiosität, die man in bäuerlichen Gegenden noch antreffen kann. Die Geschichten entführen in eine Fabulierwelt, in der ein Drache eine vordringliche Rolle spielt. Es gibt magische Orte und Rituale, mit denen ein weiser Mönch Besessenheit heilt. Allerhand Seltsames geschieht, Träume ängstigen und verführen. Alles aber verbindet sich mit Hintersinnigem, mit Nachdenken über das Erlebte und mit Gesprächen über Sinn und Glück, Schuld und Frömmigkeit, ja selbst Kunst und Musik. Der letzte Teil des Buches sucht in Gesprächen zwischen Beat und dem Abt Sawang dem tieferen Sinn des Glaubens nachzugehen. Der Erzählstil von Ernst Boesch lässt an Hermann Hesse denken, doch die Probleme, die er aufgreift, sind aktuell. Es gibt immer noch Magie und Besessenheit, und die Fortdauer religiöser Konflikte ist augenscheinlich. Deren Lösung, zu der die Erzählung behutsam hinführt, kann ein Ausweg sein aus scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen. Wie – die Erzählung schildert es.

Kaiser, Heinz-Jürgen & Werbik, Hans (2012). Handlungspsychologie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Handlungspsychologien versuchen, menschliches Verhalten als Handlungen zu erklären. Diese Einführung legt dar, durch welche Grundannahmen, welches Menschenbild und welche Forschungslogik psychologische Handlungstheorien geprägt sind. Ein Schwerpunkt der Darstellung liegt auf Anwendungsmöglichkeiten der Handlungstheorie und der aktuellen methodologischen Diskussion in den Sozialwissenschaften.

Die Autoren

Professor Dr. Heinz Jürgen Kaiser lehrte am Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg.

Professor Dr. Hans Werbik war Ordinarius am Institut für Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg.