Gesellschaft für Kulturpsychologie e.V.

Die Gesellschaft für Kulturpsychologie ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie und kulturvergleichenden Psychologie in Forschung und Lehre. Gegründet wurde sie als Gesellschaft österreichischen Rechts 1986 von Hans Werbik, Wilhelm Salber und Wilhelm Joseph Revers in Salzburg, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Mit ihren Aktivitäten erstrebt die Gesellschaft eine Förderung der theoretischen, empirischen und angewandten Kulturpsychologie und kulturvergleichenden Psychologie sowie die Verbreitung ihrer Erkenntnisse. Seit 2015 vergibt die Gesellschaft alle zwei Jahre den Ernst E. Boesch-Preis für Kulturpsychologie.

Aktuelle Informationen

Professor Dr. Patricia Greenfield (University of California in Los Angeles) und Dr. Regina Arant (Jacobs Universität Bremen) erhalten den Ernst-E.-Boesch-Preis für Kulturpsychologie 2019

Die Gesellschaft für Kulturpsychologie hat zum dritten Mal den Ernst-E.-Boesch-Preis für Verdienste um die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie vergeben. Der Preis erinnert an den 2014 mit 97 Jahren verstorbenen Kulturpsychologen Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ernst E. Boesch und wurde noch zu Lebzeiten gemeinsam mit Ernst Boesch ins Leben gerufen. Er ehrt Verdienste um die Förderung und Verbreitung der wissenschaftlichen Kulturpsychologie durch Erforschung der menschlichen Erlebens-, Erkenntnis- und Handlungsformen in ihrer Kultur- und Geschichtsgebundenheit. Der Preis würdigt (1) das bisherige Gesamtschaffen einer im genannten Feld herausragenden Persönlichkeit sowie (2) eine herausragende Einzelarbeit (Nachwuchspreis).

Mit Prof. Patricia Greenfield wurde eine der international renommiertesten Pionier_innen der zeitgenössischen Kulturpsychologie, insbesondere im Feld der Entwicklungspsychologie, geehrt. Als Distinguished Professor of Psychology an der University of California in Los Angeles hat sie maßgeblich zur Institutionalisierung und Entwicklung der Kulturpsychologie beigetragen. Erheblichen Einfluss hatte sie in zahlreichen Funktionen, nicht zuletzt als Präsidentin der International Association for Cross-Cultural Psychology (2014-2016). Der Ernst-Boesch-Preis passt ganz hervorragend zum wissenschaftlichen Profil von Prof. Greenfield, deren internationale Reputation eng an (theoretische sowie empirische) kulturpsychologische Arbeiten ganz im Sinne von Ernst Boesch und der Gesellschaft für Kulturpsychologie gekoppelt sind.

Die außerordentliche Kontinuität im Werk von Prof. Patricia Greenfield ist überaus beeindruckend und führt von ersten Kooperationen mit Jerome S. Bruner (Bruner, J. S., Olver, R. R., Greenfield, P. M., et al.: Studies in cognitive growth, 1966) bis hin zu bedeutenden Arbeiten wie etwa The structure of communication in early language development (mit J.H. Smith, 1976) oder dem in viele Sprachen übersetzten Werk Weaving generations together: Evolving creativity in the Maya of Chiapas (2004), zuletzt dem Special section for the 50th anniversary issue of the International Journal of Psychology mit dem ebenfalls einschlägigen Titel Social change, cultural evolution, and human development.

Mit der Verleihung des Ernst-E.-Boesch-Preises 2019 wird ihr Lebenswerk gewürdigt, das auch zukünftig auf zentrale Bereiche psychologischer, sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung ausstrahlen wird. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

Den Ernst-E.-Boesch-Nachwuchspreis erhielt Frau Dr. Regina Arant für ihre herausragende Dissertation Who you are depends on where you are – The impact of a high school year abroad on the national and host country identity of German exchange students. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Die Verleihung fand anlässlich der 14. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie vom 23.-25. September 2019 in Würzburg statt.

14. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie

Call for Papers Fachgruppentagung „Massen – Fakte(n) – Artefakte“

Unter dem Titel: „Massen – Fakte(n) – Artefakte“ hat die Gesellschaft für Kulturpsychologie gemeinsam mit der Fachgruppe Geschichte der Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vom 23.-25. September 2019 in Würzburg ihre 16. Fachgruppentagung durchgeführt. Die Beiträge wandten sich historisch und auch mit aktuellen Bezügen Themen der Massenpsychologie, der Frage des Faktums und des Fakes psychologischer Forschung und schließlich auch den Artefakten, d.h. den Materialisierungen innerhalb der psychologischen Forschung, zu.

Weitere Informationen zur Fachgruppentagung finden Sie auf den Seiten des Adolf-Würth-Zentrums für Geschichte der Psychologie: www.awz.uni-wuerzburg.de

Das Programm der Tagung finden Sie hier.

Tagungsrückblick: »Religion und Kultur: Fachhistorische Perspektiven«

Die Tagung Religion und Kultur: Fachhistorische Perspektivenwurde von Uwe Wolfradt (Sprecher der AG Interdisziplinarität) als gemeinsames Projekt der Deutschen Gesellschaft für Ethnologie und der Gesellschaft für Kulturpsychologie initiiert. Diese bereits bei der letzten Tagung in Hannover anvisierte Tagung wurde nun vom 1. bis 2. November an der Universität Halle-Wittenberg realisiert. In einem ausgewogenen Verhältnis von Ethnologen und Psychologen stellte sich erstaunlicherweise schnell eine Konvergenz der Themen und Personen ein, die so vor der Tagung nicht absehbar war. Dabei spielten insbesondere Philosophen des 19. Jahrhundert sowie Vorstellungen, die in dieser Zeit entstanden eine wichtige Rolle. Offensichtlich teilen beide Wissenschaften die gleiche Geschichte des 19. Jahrhunderts und sind bis heute von dessen Erbe geprägt. So stach als eine Gemeinsamkeit die Figur Wilhelm Wundts heraus, bei dem viele neue Wissenschaften begründende Personen hörten, u.a. auch Malinowski und Durkheim –im Kontext der Ethnologie wichtige Schlüsselfiguren. Aber auch konkrete Themen, die anthropologisch untersucht werden können, wurden angesprochen, so Musik, Magie, Animismus, Besessenheit, Religion.

Gründung der Arbeitsgruppe »Philosophie der Psychologie«

Anlässlich der von Hans Werbik initiierten und von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Tagung Die historische Entwicklung des Verhältnisses von Philosophie und Psychologie«, die vom 25.-28. September 2018 an der Universität Erlangen stattfand, wurde die Arbeitsgruppe »Philosophie der Psychologie« gegründet. Im Anschluss an eine spannende Tagung mit Vorträgen in den Sektionen (1) Zum historischen Verhältnis von Philosophie und Psychologie, (2) Struktur und Funktion, (3) Wert und Ästhetik, (4) Leib-Seele-Problem, (5) Phänomenologie und Psychoanalyse sowie (6) Methodische Fragen und Probleme, gründeten 30 anwesende Personen die neue Arbeitsgruppe und wählte einen Vorstand, der paritätisch mit Psychologen und Philosophen besetzt ist. Zum Vorsitzenden wurde Hans Werbik (Psychologie), zum Stellvertreter Martin Hoffmann (Philosophie) gewählt. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, den verstummten Dialog der beiden Fächer wiederzubeleben, was zunächst bedeutet, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und ehemals vorhandene Synergien und Interessen für die heutige Wissenschaft nutzbar zu machen. Zudem sollen Themen und Methoden der Psychologie des 19. Jahrhunderts ebenfalls dieser Analyse unterzogen werden.

Offener Brief VWGÖ

Der Verband der Wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs (VWGÖ) – in dem auch die Gesellschaft für Kulturpsychologie organisiert ist – hat sich in einem offenen Brief zur Unterstützung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) an den Herrn Bundespräsidenten und die für Forschung & Entwicklung zuständigen Mitglieder der Österreichischen Bundesregierung gewandt, da die Forschungsförderung seit Jahren stagniert; ja sogar eine Unterfinanzierung des FWF zu enormen Antragsablehnungen und Arbeitszeitvergeudung führen. Den offenen Brief finden Sie hier.

Emigration, Migration und Kultur

Die 13. Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie fand als gemeinsame Tagung mit der DGPs-Fachgruppe Geschichte der Psychologie vom 14. bis 16. September 2017 in Hannover unter dem Tagungstitel »Emigration, Migration und Kultur« statt. Den Call for Paper sowie weitere Details entnehmen Sie bitte der Tagungswebseite.

Wir trauern um Gustav Jahoda

Unser langjähriges Mitglied Gustav Jahoda ist am 12.12.2016 im 97. Lebensjahr in Glasgow verstorben.

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Gustav Jahoda war seit 1963 an der University of Strathclyde in Schottland tätig und bis in seine letzten Lebensjahre auch als Autor und Vortragender aktiv. Zuletzt konnten wir ihn als Referenten bei der Tagung unserer Gesellschaft 2005 in Salzburg/St. Virgil begrüßen.

Wir trauern um Wilhelm Salber

Am 2. Dezember 2016 verstarb unser Gründungsmitglied Wilhelm Salber nach kurzer Krankheit im Alter von 88 Jahren in Köln.
Wilhelm Salber, geboren am 9. März 1928, war dreißig Jahre Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität zu Köln. Die wissenschaftlichen Traditionslinien von Goethe und Freud fortführend, entwickelte er aus Untersuchungen zu Alltag, Kunst und Kultur ein neues Fundament der Wissenschaften: Psychologische Morphologie.
Zu den wichtigsten und einflussreichsten Werken Wilhelm Salbers gehören: Morphologie des seelischen Geschehens (1965), Wirkungseinheiten (1969), Kunst-Psychologie-Behandlung (1977) und Seelenrevolution (1993). Wilhelm Salbers Psychologische Morphologie führte zu bedeutenden Paradigmenwechseln in Wirtschafts- und Produktpsychologie, in Wirkungsforschung, Film- und Kunstanalyse sowie Psychotherapie.
Salber lehrte Psychologie als einen Weg, den Übergängen zwischen unterschiedlichen Lebensgestalten zu folgen. Auf seinem eigenständigen Weg überschritt Wilhelm Salber die Grenzen der akademischen Psychologie. Das amerikanische Standardwerk „German Essay on Psychology“ aus dem Jahr 2001 zählt ihn – zusammen mit Ludwig Binswanger, Karl Jaspers, Alexander Mitscherlich und Erwin Straus – zu den Ikonoklasten (Bilderstürmern) der deutschen Psychologie.

Wir trauern um Ernst E. Boesch 

Am 12. Juli 2014 ist unser Gründungsmitglied Ernst Eduard Boesch im 98. Lebensjahr unerwartet verstorben ist. Die Gesellschaft für Kulturpsychologie verliert mit ihm nicht nur eine ihrer zentralen wissenschaftlichen Persönlichkeiten, sondern auch einen großzügigen Förderer. In seinen letzten Lebensmonaten hat er noch mit uns gemeinsam die Richtlinien für den von ihm gestifteten und nach ihm benannten Wissenschaftspreis für Kulturpsychologie diskutiert. Die internationale Kulturpsychologie verliert mit ihm einen Bannerträger, der seit vielen Jahrzehnten beharrlich am Aufbau dieser Forschungsdomain mitgewirkt hat.
Wir sind dankbar, dass es uns vergönnt war, seinen kritischen und wachen Geist bis in sein hohes Lebensalter als Begleiter bei unseren wissenschaftlichen Vorhaben zur Seite zu wissen.

Aktuelle Publikationen von Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft

Slunecko, Thomas; Wieser, Martin & Przyborski, Aglaja (Hrsg.). (2017). Kulturpsychologie in Wien. Wien: facultas. 

ISBN: 978-3-7089-1545-6
Preis: 24,90 Euro

Der Band dokumentiert und verdichtet zentrale Impulse, die in den letzten zehn Jahren von Wien – konkret: vom Institut für Kulturpsychologie und qualitative Sozialforschung und seinem Netzwerk – für eine paradigmatische Erneuerung der Psychologie ausgegangen sind. Der Kern dieser Erneuerung besteht darin, Kultur nicht als eine von mehreren Variablen zu begreifen, die auf dem Menschen „wirken“, sondern als essentielle Matrix für das Verständnis des Psychischen. Die einzelnen Beiträge zeigen, wie dies theoretisch und methodologisch gedacht und praktisch in der Forschung umgesetzt werden kann. Dabei eröffnen sich gleichzeitig Wege zu einer praxeologischen Psychologie, in der sich akademische Wissenschaft mit dem lebendigen Alltag zu verbinden vermag.
Mit Beiträgen von Gerhard Benetka, Bernd Bösel, Stefan Hampl, Ulrich Krainz, Philomena Pötscher, Aglaja Przyborski, Nora Ruck, Anna Schor-Tschudnowskaja, Maria Schreiber, Thomas Slunecko und Martin Wieser.

Werbik, Hans & Benetka, Gerhard (2017). Kritik der Neuropsychologie. Eine Streitschrift. Gießen: Psychosozial.

In ihrer Streitschrift machen Hans Werbik und Gerhard Benetka deutlich, dass das Erklärungspotenzial der Neurowissenschaften in der Psychologie weitgehend überschätzt wird. Ihre Kritik tragen die Autoren auf einer philosophischen, wissenschaftstheoretischen, psychologischen und gesellschaftspolitischen Ebene vor. PsychologInnen werden durch die Lektüre darin bestärkt, in der psychologischen und psychoanalytischen Forschung auch andere Wege als die von den Neuro-Disziplinen favorisierten zu beschreiten und dadurch mehr Pluralität in der Psychologie zu ermöglichen.
Werbik und Benetka berichten über theoretische Voraussetzungen und empirische Befunde neurowissenschaftlicher Untersuchungen. Sie erinnern an einige der Versprechen, mit denen NeurowissenschaftlerInnen vor einiger Zeit an die Öffentlichkeit traten – vieles davon hat sich nicht bewahrheitet. Die Autoren zeigen, dass psychische, soziale und kulturelle Phänomene in den Denkmustern der Naturwissenschaften nicht adäquat zu erfassen sind. Sie bieten eine Einführung in die Kulturpsychologie und eröffnen Perspektiven, wie eine der menschlichen Lebenspraxis entsprechende psychologische Forschung möglich ist.

Przyborski, Aglaja & Haller Günther (Hrsg.).  (2014). Das politische Bild. Situation Room: Ein Foto – vier Analysen. Verlag Barbara Budrich: Opladen, Berlin, Toronto. 2014. 

ISBN: 978-3-8474-0160-5
Preis: € 14,90

Wie funktioniert politische Kommunikation durch Bilder? Am Beispiel des Bildes aus dem White House Situation Room, Sinnbild für die Tötung des Terroristen Osama Bin Laden, gibt das Buch anhand von Hintergrundanalysen und vier sozialwissenschaftlichen Bildanalysen Einblick in ein boomendes Feld und in die politische Ikonografie der Gegenwart.
Das Bild aus dem Situation Room steht für die Tötung des Terroristen Bin Laden und hat als vielfach gewähltes (mediales) Titelbild und in einer breiten öffentlichen Diskussion auch Eingang in die politische Ikonografie gefunden. Der Band beinhaltet vier Analysen dieses Bildes. Die Fakten rund um die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Fotografie stehen im Austausch mit drei empirischen Analysen: einer dokumentarischen Interpretation zu Repräsentation von Macht, einer seriellen Fotoanalyse und einer psychologischen Analyse, die die berühmte Geste von ‚Hillarys Hand’ in den Mittelpunkt stellt. Die Analysen geben wissenschaftlich fundierte Einblicke nicht nur in die Besonderheit eines Bildes, das eine bemerkenswert große Anziehung ausübt, sondern damit auch in die aktuelle politische Kommunikation durch Bilder. Drei elaborierte Verfahren der Bildinterpretation können direkt anhand eines Falles miteinander verglichen werden. Der Band richtet sich vor allem an jene, die sich für Hintergründe der politischen Ikonografie der Gegenwart interessieren sowie an Human- und SozialwissenschaftlerInnen, die avancierte Methoden der Bildinterpretation vergleichen wollen.

Przyborski, Aglaja & Monika Wohlraab-Sahr (2014). Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. (4. ergänzte Aufl.: visuelle Daten/Bildinterpretation) Oldenbourg: München.

Das Buch gibt eine Einführung in die methodologischen Grundlagen und in die Anwendung rekonstruktiver Forschung. Die Besonderheit des Bandes liegt u.a. in der Darstellung der gemeinsamen Entwicklungslinien unterschiedlicher Verfahren und Schulen. Damit werden Synergien und Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Zugänge, aber auch theoretisch bedingte Unvereinbarkeiten erkennbar. Gemeinsame Probleme quantitativer und qualitativer Zugänge bleiben dabei nicht ausgespart. Kernstück ist eine umfassende Diskussion methodisch fundierter Praxis qualitativer Forschung. Das Buch begleitet Forschende von der ersten Konzeption eines Forschungsvorhabens über die Feldforschung und Erhebung, Entscheidungen beim Sampling, die verschiedenen Schritte der Interpretation und Auswertung des empirischen Materials, die Abstraktion und Verallgemeinerung der Interpretationserträge bis hin zur Darstellung der Ergebnisse. Die einzelnen Entscheidungen, die im Zuge der Forschung getroffen werden müssen, typische Problemstellungen und Herausforderungen der Interpretationspraxis sowie mögliche Lösungen werden sowohl methodisch-theoretisch als auch anhand von konkreten Fällen und Forschungsbeispielen anschaulich und nachvollziehbar behandelt. Für jedes der vier im Detail ausgeführten Verfahren, die Methode der Grounded Theory, die Narrationsanalyse, die objektive Hermeneutik und die dokumentarische Methode geben die Autorinnen ein ausführliches Interpretationsbeispiel aus der eigenen Forschungspraxis. Die vierte Auflage wurde um zwei umfassende Kapitel zur Erhebung und Auswertung von visuellem Datenmaterial erweitert. Bei der Auswertung liegt der Schwerpunkt auf der rekonstruktiven Bildinterpretation. Sie wird allgemein dargestellt und im Einzelnen anhand der seriellen Fotoanalyse, der Segmentanalyse, der objektiv-hermeneutischen und der dokumentarischen Bildinterpretation behandelt.

Boesch, Ernst Eduard (2013). Aran und Beat. Nachdenkliche Geschichten zwischen West und Ost. Salzburg: edition tandem.

ISBN: 978-3902932099
Preis: € 18,50

Die Geschichten in diesem Bändchen erzählen von Aran, einem jungen Mann in einem fernöstlichen Land, das am ehesten einem imaginativ verwandelten Thailand gleicht. Auch die zweite Hauptperson, der Missionar Beat, befindet sich in diesem Land. Es ist nicht das Thailand, das der Tourist erfährt, sondern ein Land mit einer traditionellen, magisch‐animistischen Religiosität, die man in bäuerlichen Gegenden noch antreffen kann. Die Geschichten entführen in eine Fabulierwelt, in der ein Drache eine vordringliche Rolle spielt. Es gibt magische Orte und Rituale, mit denen ein weiser Mönch Besessenheit heilt. Allerhand Seltsames geschieht, Träume ängstigen und verführen. Alles aber verbindet sich mit Hintersinnigem, mit Nachdenken über das Erlebte und mit Gesprächen über Sinn und Glück, Schuld und Frömmigkeit, ja selbst Kunst und Musik. Der letzte Teil des Buches sucht in Gesprächen zwischen Beat und dem Abt Sawang dem tieferen Sinn des Glaubens nachzugehen. Der Erzählstil von Ernst Boesch lässt an Hermann Hesse denken, doch die Probleme, die er aufgreift, sind aktuell. Es gibt immer noch Magie und Besessenheit, und die Fortdauer religiöser Konflikte ist augenscheinlich. Deren Lösung, zu der die Erzählung behutsam hinführt, kann ein Ausweg sein aus scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen. Wie – die Erzählung schildert es.

Kaiser, Heinz-Jürgen & Werbik, Hans (2012). Handlungspsychologie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Handlungspsychologien versuchen, menschliches Verhalten als Handlungen zu erklären. Diese Einführung legt dar, durch welche Grundannahmen, welches Menschenbild und welche Forschungslogik psychologische Handlungstheorien geprägt sind. Ein Schwerpunkt der Darstellung liegt auf Anwendungsmöglichkeiten der Handlungstheorie und der aktuellen methodologischen Diskussion in den Sozialwissenschaften.

Die Autoren

Professor Dr. Heinz Jürgen Kaiser lehrte am Institut für Psychogerontologie der Universität Erlangen-Nürnberg.

Professor Dr. Hans Werbik war Ordinarius am Institut für Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg.