Aktuelles

Nachruf für Prof. Dr. phil. Christian G. Allesch (1951-2022)

Mit tiefer Bestürzung haben wir von dem plötzlichen Tod unseres hoch geschätzten Kollegen und Freundes a.o. Univ.-Prof. Dr. Christian Gerd Allesch (Paris-Lodron-Universität Salzburg) am 4. April 2022 erfahren. Worte vermögen nicht die Trauer auszudrücken, die wir mit seinem Ableben verbinden.

Christian Allesch wurde am 14.01.1951 in Grieskirchen in Oberösterreich geboren. Er studierte von 1969 bis 1973 Psychologie an der Universität Salzburg und wurde 1973 mit der Arbeit "Phänomenologie der Begeisterung" zum Dr. phil. promoviert. Bei seinem Lehrer Wilhelm Revers war er von 1974 bis 1978 Universitätsassistent in Salzburg und arbeitete über musikpsychologische Fragen. Das Thema bewog ihn, 1985 zu Fragen der psychologischen Ästhetik zu habilitieren. Lehraufträge als Gastprofessor führten ihn in den 1990er Jahren an die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Er wirkte am Curriculum des Studienganges Psychologie an der Universität Salzburg nunmehr als a.o. Professor maßgeblich mit und vertrat dort die Fächer Persönlichkeitspsychologie und Geschichte der Psychologie.

Christian Allesch war ein politischer Mensch, dem der humanistische Freiheitsgedanke ein persönliches Anliegen war. Sein Engagement für den Liberalismus in Österreich war ihm daher eine Herzensangelegenheit. Sein Eintreten für die frühere FPÖ, das Liberale Forum und die heutige liberale Partei NEOS resultierte in zahlreichen Initiativen, die für die politische Arbeit und Bildung in Salzburg und Österreich wichtig waren. Darüber hinaus übernahm er Verantwortung in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften, so als Sprecher der Fachgruppe Geschichte der Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, als 2. Vorsitzender der Carl-Stumpf-Gesellschaft und als 2. Vorsitzender der Internationalen Franz Brentano Gesellschaft.

Christian Allesch hatte wesentlichen Anteil am Aufbau unserer Gesellschaft für Kulturpsychologie. Seinem Lehrer und Mitbegründer der Gesellschaft Wilhelm Revers 
folgend war er ein verlässliches und prägendes Vorstandsmitglied, viele Jahre als 2. Vorsitzender und langjähriger Kassier. Wichtige Impulse zur Entwicklung der Gesellschaft gingen auf seine Initiativen zurück. 2015 richtete er in Salzburg die Tagung der Gesellschaft für Kulturpsychologie zusammen mit der Fachgruppe Geschichte der Psychologie aus, die sich des Themas "Kulturelle Dynamik und Entwicklung der Psychologie" annahm.

Christian Allesch war in seiner stets bescheidenen Zurückhaltung, seinem Respekt für Andere und seinem leisem Humor für uns ein liebenswerter Mensch und fachlich hochgeschätzter Kollege. Seine tiefe Liebe zur Musik und zur Schönheit und Erhabenheit im künstlerischen Ausdruck ließen erahnen, welche inneren Leidenschaften ihn mit der Psychologie der Kultur verbanden. Wir werden uns seiner stets gerne erinnern.
Die Gesellschaft für Kulturpsychologie trauert um Hans Werbik (1941-2021)

Am 20. Dezember 2021 verstarb  nach kurzer schwerer Krankheit Hans Werbik,  einer der Mitbegründer unserer Gesellschaft für Kulturpsychologie (GK). 

Hans Werbik hat die geistes- und sozialwissenschaftlich ausgerichtete Psychologie der Gegenwart bedeutsam mitgeprägt. Sein engagiertes Eintreten für eine kulturwissenschaftliche Perspektive in der Psychologie, die den Besonderheiten des Menschen und damit auch des Menschlichen gerechter wird, hat viele seiner Schülerinnen und Schüler, seiner Kolleginnen und Kollegen dazu bewogen, seinem intellektuellen Vorbild zu folgen und an einer Psychologie mitzuwirken, die sich den Grundlagen menschlichen Denkens und Fühlens vor allem über die Analyse menschlichen Handelns nähert. Der Art und Weise, wie Menschen in ihren alltäglichen Lebenswelten handeln, in den Beweggründen, die sie zu ihrem Handeln führen, wie auch in den Faktoren, die Menschen dazu bringen, nicht zu handeln, wo Handlung geboten wäre, galt sein besonderes Interesse. 

Hans Werbiks Denken hat Wirkungen in der psychologischen Wissenschaft hinterlassen, auch wenn er nie ein großes Aufheben darum machte. Geltungssucht war keine seiner kennzeichnenden Eigenschaften. Er fiel eher durch seine Bescheidenheit auf, aber auch seine unbedingte Neugierde für die Beziehungen zwischen psychischen Phänomenen über die Grenzen verschiedener Disziplinen hinweg. Hans Werbik war hierbei nicht nur Wissenschaftler, sondern auch als Bürger ein politisch engagierter Streiter für soziale Gerechtigkeit und eine friedvolle Welt.

Eine der bleibenden Spuren, die Hans Werbik hinterlassen hat, ist die nun seit 35 Jahren bestehende Gesellschaft für Kulturpsychologie, die er gemeinsam mit Wilhelm Revers 1987 in Salzburg gegründet hat. In der Gesellschaft sind zahlreiche Vertreter:innen der deutschsprachigen Psychologie und angrenzender Disziplinen versammelt, die seinem Denken verpflichtet sind und ihm auch in Zukunft verbunden sein werden. 

Im Namen all ihrer Mitglieder bringt die Gesellschaft für Kulturpsychologie ihre tiefe Trauer über einen großen Verlust zum Ausdruck - den Verlust ihres Mitbegründers, ihres Kollegen und eines liebenswerten Menschen. Den Hinterbliebenen und den Freunden, von denen sich auch viele in der Gesellschaft für Kulturpsychologie befinden, gilt unsere aufrichtig empfundene Anteilnahme. Wir sind froh Hans Werbik gekannt zu haben und werden uns stets seiner ehrenvoll erinnern.